ADHS-Organisation elpos Schweiz

Wenn junge Menschen mit ADHS gehört werden

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Die erste nationale ADHS-Konferenz im Bundeshaus hat begeistert, berührt und motiviert. Über 40 junge Menschen mit ADHS sind zusammengekommen und haben über Herausforderungen im Alltag, in der Schule oder in der Gesellschaft diskutiert.

29. April 2026

Die Stimmung ist von Anfang an locker. Man spürt die Aufregung und wie es den Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter den Nägeln brennt. Nach der kurzen Begrüssung von Initiant Luis Casado und Nationalrat Simon Stadler geht’s auch schon los – aufstehen, Gruppen bilden und erste Fragen gemeinsam diskutieren. «Wo hatte ich in meiner Schulzeit eine Erfahrung, wo ich mich richtig abgeholt gefühlt habe?» Man hört einzelne Gesprächsfetzen… ein Jugendlicher sagt: «Eigentlich hat mich noch nie jemand an meiner Schule richtig verstanden.» Er ist jetzt in der 8. Klasse. In der nächsten Aufgabe sollen die Gruppen Themen herausschälen, welche tiefer diskutiert werden müssten. Schnell wird klar: Der Wunsch nach mehr Aufklärung ist riesengross. Aufklärung der Jugendlichen mit ADHS selbst – da geht es um Medikation aber auch um weitere Therapiemöglichkeiten. Aufklärung aber auch in der Gesellschaft sowie in der Schule – nicht nur bei Lehrpersonen, sondern eben auch Mitschüler:innen. Jede:r im Raum kennt das Gefühl, ausgelacht zu werden weil man etwas nicht versteht oder schon wieder den Turnsack vergessen hat (obwohl man natürlich gerne mitturnen würde)… «Ich fühle mich direkt wieder in meine Kindheit zurückversetzt.» sagt Simon Stadler. «Die Probleme der Jugendlichen sind immer noch dieselben. Es hat sich viel getan, das sehe ich, und doch sind mir ihre persönlichen Herausforderungen sehr bekannt.»

Intensive Lösungsfindung

Die gesammelten Themen werden gebündelt und in Gruppen mögliche Lösungen erarbeitet und präsentiert. Die Bandbreite der Lösungsvorschläge ist riesig: Es gibt konkrete Vorschläge für den Stundenplan oder auch für ein Kinderbuch, welches ADHS für alle erklärt – bereits im Kindergarten. Auch die anwesenden ADHS-Organisationen kommen schlussendlich zu Wort: Susanne Spalinger von der ADHS-Organisation elpos Schweiz wendet sich an die Teilnehmenden: «Ich finde es wahnsinnig toll, was eine einzelne Stimme bewegen kann.» Eine einzelne Stimme, die so viele Stimmen zusammenbringt.  Die 13-jährige Iva sagt: «Es war toll, dass ich mich nirgends erklären musste, ich fühlte mich sofort mit den anderen verbunden.» Chaya (17) meint: «Da kann ich mich nur anschliessen. Ich fühle mich jetzt weniger alleine. Jeder hier hat ADHS, einfach ein bisschen anders. Aber die Herausforderungen sind dieselben.» Ash (17) ergänzt: «Stimmt, es gibt hier so viele, die verstehen, wie es mir geht. Im Positiven und im Negativen. Das verbindet.» «Bei mir persönlich hat sich jetzt auch das Gefühl zu meinem ADHS verbessert.», ergänzt Lea.

Emotionaler Abschluss

Und stimmt, da war ja noch ein Filmteam vor Ort. Mit den vielen starken Stimmen im Saal war das tatsächlich eine Nebensache. Schauspielerin Fabienne Hadorn spielt im Dokumentar-Film «Gib dir doch einfach etwas mehr Mühe» von Juri Steinhart in Co-Produktion mit dem SRF die «Lobby Woman» für Kinder mit ADHS. Im Film geht sie als eine Art Anwältin für Kinder zu den Verantwortlichen (unter anderem im Bildungssystem) und setzt sich für deren Anliegen und Herausforderungen ein. Sie ergreift bei den Schlussvoten das Wort: «Ich möchte einfach nur Danke sagen! Ich bin extrem berührt von dem, was heute passiert ist. Ich hatte meine Diagnose so spät und hatte so viele Kämpfe…» sie stoppt, schluckt zwei Mal leer und sagt «Jetzt muss ich kurz meine Emotionen herunterschlucken… aber eins noch: Danke, dass ihr euch so für das Thema einsetzt. Wir werden unser Bestes tun, um weiter für das Thema zu sensibilisieren.» Grosser Applaus der Teilnehmenden. Das Schlusswort gehört, genau wie die Begrüssung, wieder Luis Casado und Simon Stadler. «Ich bin berührt! Natürlich wusste ich, dass wir hier die besten Menschen zusammengebracht haben.» lacht Stadler «Und doch war ich von euch geflasht. Nur schon wie ihr eure Anliegen präsentiert habt – da könnte sich noch der eine oder andere Parlamentarier eine Scheibe abschneiden!» Sein Appell an die Teilnehmenden: «Ihr seid Botschafter:innen für das Thema. Bleibt dran und kämpft für eure Anliegen. Es lohnt sich!» Danach die Frage an Luis: Wie geht es dir jetzt? «Ich bin unglaublich stolz. Dass so viele Menschen gekommen sind und so engagiert mitgearbeitet haben, sich so intensiv ausgetauscht haben, ist toll.»

Wie weiter?

«Wir sind der erste Schritt zur grossen Veränderung. Wir bleiben dran und formulieren das Forderungspapier.» sagt Luis. «Ich bin sicher, dass etwas Wunderbares daraus entsteht, denn ich fühlte, dass wir hier ernst genommen werden und dass alle Organisationen bereit sind, zusammen an Lösungen zu arbeiten». Und seitens Politik? «Wir haben bereits einen Vorstoss geplant zum Thema Nachteilsausgleich – da scheint es grosse Unterschiede zu geben, unter anderem bei den Hochschulen und Universitäten. Eine Teilnehmerin meinte, dass es sie deswegen ein Jahr gekostet habe! Das wollen wir ändern.», sagt Stadler. Und vielleicht sei auch eine oder viele weitere solche Konferenzen eine Idee. «Ich habe es noch nie erlebt, dass die Betroffenen so gehört wurden und ich bin absolut bereit, dass es hier weiter geht. Dass die Betroffenen auch in 10 Jahren noch so ein Gefäss für den Austausch haben».

Und das Fazit der Teilnehmenden?

«Es war so viel besser als ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte, ich müsse hier nur zuhören. Dabei konnten wir so viel sagen und es wurde uns zugehört!», freut sich Chaya. Lea ergänzt: «Es war ein sicherer Ort, um sich mit ADHS zu befassen. Die Gespräche mit den anderen waren toll, ich habe so viele Gemeinsamkeiten entdeckt.» Und wenn es tatsächlich eine weitere solche Konferenz geben sollte? «Wir sind dabei!»

Hier gibt’s Medienberichte zum Weiterlesen und -hören:

Die Konferenz wurde gemeinsam organisiert von der ADHS-Organisation elpos Schweiz, adhs20plus Schweiz, Schweizerische Fachgesellschaft ADHS und Pro Juventute, initiiert durch Luis Casado via die Plattform engage.ch. Weitere Informationen zur Konferenz

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