Meine ADHS-Diagnose erhielt ich mit 38 Jahren. Ein Wendepunkt, der rückblickend alles veränderte. Als mein Sohn knapp ein Jahr alt war, fiel ich in eine tiefe Erschöpfungsdepression. Ein hyperaktives Baby, massiver Schlafmangel, die fehlende Zeit für mich selbst und der pure Stress nach einem Umzug wurden mir zu viel.
Es folgte ein Klinikaufenthalt in einer Mutter-Kind-Abteilung. Erst fünf Jahre später, im Jahr 2012, erhielt ich durch den entscheidenden Hinweis einer Heilpädagogin endlich die Diagnose: ADHS.
Beim Recherchieren erkannte ich mich sofort wieder: Das verträumte, stille Mädchen von damals, das sich in der Schule kaum konzentrieren konnte und später als Mutter eines hyperaktiven Kindes die fehlenden Strukturen im Alltag nicht mehr kompensieren konnte.
Mein Weg zur Balance
Ich vertiefte mich in das Thema, las unzählige Bücher und besuchte Fachvorträge. Durch die Kombination aus Medikation und gezieltem Coaching konnte ich meine Konzentration und Impulskontrolle stärken, während meine Ablenkbarkeit spürbar abgenommen hat. Heute bin ich im Alltag deutlich ausgeglichener und kann mich besser abgrenzen.
Was ich an ADHS schätze?
Meine Kreativität, meine Hilfsbereitschaft, meine Ehrlichkeit und meine Empathie. Ebenso meine Begeisterungsfähigkeit und die Stärke, selbst in hektischen Situationen ruhig zu bleiben.
Was ich dir mitgeben möchte
Menschen mit ADHS bringen durch ihre Kreativität, Spontaneität und Lebendigkeit Farbe in die Welt. ADHS ist keine Unfähigkeit, sondern eine andere Art, die Welt zu erleben. Der Schlüssel liegt in der Selbstakzeptanz, individuellen Strukturen, bewussten Auszeiten, Bewegung und dem Mut, professionelle Hilfe anzunehmen.
Meine Best Practice: Grundordnung zu Hause
Ohne eine solide Grundordnung ist es fast unmöglich, dauerhaft Ordnung zu halten. Jeder Gegenstand braucht seinen festen Platz. Mein Motto lautet: «Weniger ist mehr.»
Hätte ich dieses System früher gekannt, wäre mir als ADHS-Mutter mit zwei ADHS-Söhnen viel Stress erspart geblieben. Heute unterstütze ich als zertifizierter Ordnungscoach speziell neurodivergente Personen und Familien. Weniger Besitz bedeutet weniger zu organisieren und weniger Entscheidungen zu treffen. Das schafft nicht nur visuelle Ruhe, sondern schenkt dir auch neue mentale Energie.
Regula Ott ist Mutter, Ordnungscoach und seit Juni 2026 auch zert. ADHS-Coach