ADHS-Organisation elpos Schweiz

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ADHS-Abklärung und ‑Diagnose

Wenn Konzentrationsprobleme, Impulsivität oder Unruhe über längere Zeit bestehen und zu einem spürbaren Leidensdruck führen, kann eine ADHS-Abklärung sinnvoll sein. Eine verlässliche Diagnose der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung stützt sich auf international anerkannte Kriterien und mehrere sorgfältig durchgeführte diagnostische Schritte. Diese Seite gibt Ihnen einen verständlichen Überblick über den gesamten Abklärungsprozess.

Wann ist eine ADHS-Abklärung erforderlich?

Eine ADHS-Abklärung ist sinnvoll, wenn Unaufmerksamkeit, Impulsivität oder anhaltende Unruhe den Alltag merklich belasten. Wichtige Anzeichen dafür, dass eine Abklärung sinnvoll sein kann:
  • Entwicklungs-, Lern- oder Verhaltensschwierigkeiten Wenn über längere Zeit auffällt, dass Unruhe, impulsive Reaktionen oder Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit bestehen, kann dies auf eine ADHS hinweisen.
  • Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen ADHS zeigt sich nie nur in einer einzelnen Situation. Wenn Schwierigkeiten sowohl in der Schule, Ausbildung oder im Beruf als auch im sozialen Miteinander auftreten, spricht vieles dafür, genauer hinzuschauen.
  • Rückmeldungen aus dem Umfeld Rückmeldungen von nahestehenden Personen, Lehrpersonen oder Vorgesetzten helfen dabei, das Verhalten in unterschiedlichen Situationen besser einzuordnen. Weil sich die ADHS nicht nur in einem einzigen Bereich zeigt, tragen solche Beobachtungen wesentlich dazu bei, ein stimmiges Gesamtbild zu erhalten.
Bleibt die ADHS über längere Zeit unerkannt, begleiten die damit verbundenen Schwierigkeiten viele Menschen vom Kindesalter über die Jugend bis ins Erwachsenenleben. Im Laufe der Zeit kann das dazu führen, dass zusätzliche Belastungen entstehen, zum Beispiel depressive Verstimmungen, chronische Erschöpfung, Ängste oder ein problematischer Umgang mit Alkohol oder anderen Substanzen.

Eine ADHS-Abklärung sollte immer von qualifizierten Fachpersonen durchgeführt werden, damit alle relevanten Informationen zuverlässig erfasst und richtig eingeordnet werden.

Kinder und Jugendliche
  • In den meisten Fällen ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt die erste Ansprechperson.
  • Bei schulischen Schwierigkeiten kann auch der schulpsychologische Dienst eine Anlaufstelle sein.
  • Die eigentliche Diagnostik wird in der Regel von Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie durchgeführt. Je nach Erfahrung kann auch die Kinderärztin oder der Kinderarzt die Abklärung übernehmen.
Erwachsene
  • Bei Erwachsenen wird die Diagnostik meist von Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie oder für Neurologie durchgeführt. Auch psychologische Psychotherapeut:innen mit entsprechender Zusatzausbildung können eine ADHS-Abklärung übernehmen.
  • Zahlreiche Kliniken und Ambulatorien verfügen zudem über spezialisierte ADHS-Sprechstunden.

An wen kann ich mich für eine ADHS-Diagnose wenden?

Mehr Hintergrundwissen

Wie funktioniert eine ADHS-Abklärung?

Eine ADHS-Abklärung ist ein strukturierter diagnostischer Prozess, der von qualifiziertem Fachpersonal durchgeführt wird. Eine fundierte Diagnostik umfasst in der Regel mehrere Schritte und findet meist über mehrere Termine statt. Der genaue Umfang hängt vom Alter der Person, der Fragestellung und der Komplexität des Falls ab.

Ziel ist es, die ADHS zuverlässig zu erkennen und gleichzeitig zu prüfen, ob andere Gründe für die Symptome in Frage kommen oder zusätzliche Belastungen eine Rolle spielen. Als fachliche Grundlage dienen die international gültigen Diagnosekriterien der Klassifikationssysteme ICD und DSM, die genau festlegen, welche Merkmale für eine ADHS erfüllt sein müssen.

Die verschiedenen Verfahren, die bei einer ADHS-Abklärung eingesetzt werden, lassen sich in drei Kategorien einteilen.

  1. Klinische Interviews und Exploration: Das ausführliche Gespräch mit der Fachperson bildet den zentralen Teil der ADHS-Abklärung. Dabei wird systematisch erfasst, welche Symptome auftreten, wie lange sie bestehen und in welchen Lebensbereichen sie den Alltag beeinflussen.
  2. Psychometrische Verfahren: Fragebögen und Skalen unterstützen das klinische Gespräch und liefern zusätzliche Hinweise darauf, wie ausgeprägt die Symptome sind und ob weitere Belastungen bestehen. Diese Unterlagen werden sowohl von der Person mit Verdacht auf eine ADHS als auch von nahestehenden Personen ausgefüllt, zum Beispiel von Eltern, Lehrpersonen oder Vorgesetzten. Da die ADHS bereits in der Kindheit beginnt, sind Informationen aus früheren Lebensphasen besonders wichtig. Bei Erwachsenen können alte Schulberichte, Zeugnisse oder Angaben von Eltern und Geschwistern helfen, den frühen Beginn und die Entwicklung der Symptome besser einzuordnen.
  3. Neuropsychologische und Kognitionstests: Solche Tests kommen zum Einsatz, um abzuklären, wie bestimmte Denk- und Verarbeitungsprozesse funktionieren und Entwicklungsstörungen der exekutiven Funktionen vorliegen.

Was muss für die ADHS-Diagnose zwingend erfüllt sein?

Die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung stützt sich auf international definierte Kriterien. In den beiden gebräuchlichen Klassifikationssystemen ICD und DSM unterscheiden sich einzelne Anforderungen leicht. Für eine Diagnose müssen jedoch bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

  • Dauer und Ausprägung: Die Symptome müssen über mindestens sechs Monate hinweg klar erkennbar sein und sich spürbar vom üblichen Verhalten unterscheiden.
  • Früher Beginn: Die ADHS besteht schon im Kindesalter. Bei Erwachsenen helfen Hinweise wie Schulunterlagen oder Aussagen von Eltern und Geschwistern, um den frühen Beginn nachzuvollziehen.
  • Auftreten in mehreren Lebensbereichen: Die Symptome müssen in unterschiedlichen Situationen auftreten, zum Beispiel zu Hause, in der Schule, im Beruf oder im sozialen Umfeld.
  • Deutliche Beeinträchtigung: Die Symptome müssen Lernen, Arbeiten oder das soziale Miteinander so beeinflussen, dass der Alltag spürbar erschwert wird.
  • Differenzialdiagnostische Abklärung: Bevor eine ADHS diagnostiziert wird, müssen andere mögliche Gründe für die Symptome, zum Beispiel organische Ursachen, ausgeschlossen werden.

Häufige Fragen

ADHS-Tests im Internet erfassen nur einzelne Symptome und lassen wichtige Informationen aus. Das kann zu Unsicherheiten oder falschen Schlussfolgerungen führen. Eine verlässliche Einschätzung ist nur möglich, wenn qualifiziertes Fachpersonal eine umfassende und sorgfältige Abklärung durchführt.

Die Kosten einer ADHS-Abklärung wird von der Krankenkasse übernommen, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt. Diese Verordnung kann von Hausärzt:innen sowie von Fachärzt:innen ausgestellt werden und ist notwendig, damit die Abklärung über die Grundversicherung abgerechnet werden kann.

Auch bis zur ADHS-Abklärung ist es sinnvoll, Belastungen ernst zu nehmen. Die ADHS-Organisation elpos Schweiz bietet Beratung, Austausch in Gesprächsgruppen, Veranstaltungen zur Orientierung und unterstützende Inhalte.

Die Behandlung der ADHS folgt einem multimodalen Ansatz. Dieser kombiniert verschiedene Elemente wie Psychoedukation, psychosoziale Interventionen und bei Bedarf eine medikamentöse Therapie. Die einzelnen Massnahmen werden individuell aufeinander abgestimmt. Ziel ist es, nicht nur die Kernsymptome zu lindern, sondern auch die Lebensqualität im Alltag zu verbessern.

Wenn sich ein Verdacht auf ADHS nach einer fachärztlichen Untersuchung nicht bestätigt, ist die weitere Abklärung wichtig. In jedem Fall ist es sinnvoll, sich professionelle Unterstützung zu holen, um den Alltag besser bewältigen zu können und passende Strategien zu entwickeln.

Gemeinsam stark für Menschen mit ADHS

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