Damian Nydegger war schon beim ersten elpos-Lager mit dabei – jetzt schaut er auf eine Zeit voller Action, Herzlichkeit und unvergesslicher Momente zurück.
Damian, erinnerst du dich noch an dein erstes Lager?
Meine Mutter hat das Lager vor 20 Jahren das erste Mal durchgeführt und danach jahrelang geleitet. Ich war da ungefähr 16 und als Praktikant dabei. Ich empfand es schon damals als einen besonderen Ort! Nach ihrer Zeit als Hauptleiterin habe ich dann die Verantwortung übernommen. Ich glaube ich war insgesamt 15- oder 16-mal dabei. In den letzten Jahren haben wir ein starkes Team aufgebaut und können das Lager nun mit gutem Gewissen an unsere Nachfolger weitergeben.
Du machst nicht mehr weiter?
Nein, für mich war es 2025 das letzte Mal – ich möchte mich jetzt ganz auf meine Kinder und meine Hobbies konzentrieren.
Die Organisation eines Lagers mit 50 Kindern und über 20 Leiter:innen braucht viel Zeit und Ressourcen. Was hat dich all die Jahre angetrieben, dich für das Lager einzusetzen?
Ich liebe das Lager einfach! Die Mischung aus Action – baden, wandern, klettern – und der Energie der Kinder ist unschlagbar. Es ist anstrengend, ja, aber es gibt so viel zurück. Die Kinder strahlen vor Freude, viele würden am liebsten zwei Wochen bleiben (lacht). Und viele Kinder kommen ja auch jedes Jahr wieder, da baut man auch eine Verbindung auf. Es ist so spannend zu sehen, wie sie sich entwickeln, wie sie Strategien für ihr ADHS lernen und jedes Jahr etwas reifer sind – das alles ist unbezahlbar.
Was macht das Lager für dich besonders?
Wir haben ein unglaublich tolles Leitungsteam, das sich gegenseitig unterstützt. Meistens kommen neue Leute aus dem Umfeld bestehender Leiter:innen. Da ist man automatisch eher auf der gleichen Wellenlänge und weiss, dass man sich auf diese Leute verlassen kann. Und die Kinder sind natürlich das Beste – sie kommen mit so viel Herzlichkeit. Natürlich gibt es auch Herausforderungen: Wir müssen immer alles bis ins Detail planen, z.B. die Übersicht über die Medikamente, Allergien und so weiter. Und die Gruppeneinteilung benötigt im Vorfeld viel Energie. Ausserdem ist die Verantwortung als Hauptleitung riesig. Man hat kaum Zeit für sich, alles muss jederzeit überprüft, kommuniziert, angepasst werden. Das ganze administrative, also die Anmeldungen und das Finanzielle, macht ja zum Glück die ADHS-Organisation elpos Schweiz – wenn das auch noch unsere Aufgabe wäre, könnten wir unser Engagement nicht stemmen! Was mich auch immer wieder gefreut hat ist, dass die Zusammenarbeit mit den Eltern so entspannt war. Ich war schon bei vielen verschiedenen Lagern mit dabei, aber unsere ADHS-Familien sind etwas Besonderes.
Was meinst du damit?
Ein Kind hat sich mal mit Henna einen riesigen Schnauz ins Gesicht gemalt… Da mussten wir die Eltern anrufen und sie informieren, denn so ein Tatoo hält ja mindestens 2 Wochen! Die Eltern haben nur gelacht und meinten: «Er muss ja so in die Schule!». An das werde ich mich wohl immer erinnern, weil es zeigt, wie locker und vertrauensvoll der Umgang bei uns ist. Wir sind nicht streng. Bei uns darf auch mal «Seich» gemacht werden! Natürlich haben auch wir Leitplanken und Regeln, aber verglichen mit anderen Lagern bestimmt etwas lockerere. Und wenns doch mal eskaliert, versuchen wir im Gespräch Lösungen zu finden. Unser Motto ist: «Jeder Tag ist ein neuer Tag.» Selbst nach Streit oder Chaos starten wir am nächsten Tag neu. Was mich immer wieder fasziniert ist, dass Kinder mit ADHS sehr schnell verzeihen. Sie sind zwar impulsiv und es gibt schnell mal Streit, aber das Gewitter zieht auch wieder vorbei – und dann geht’s weiter mit dem gemeinsamen Spiel. Das finde ich toll.
Du selbst hast auch ADHS – merkst du das im Alltag?
Früher habe ich Ritalin genommen, heute nicht mehr. Vielleicht hätte es im Studium geholfen, aber ich hatte da eigentlich keinen Leidensdruck, da ich meine Strategien gefunden habe – ja, ich mache vieles auf den letzten Drücker, aber das stresst mich nicht mehr. Und ich habe viel Energie! Freiwillige Feuerwehr, Sport, Familie – ich lebe mein Leben, und es läuft. ADHS ist für mich kein Hindernis, sondern einfach ein Teil von mir. Perfektion ist nicht das Ziel. Es reicht, wenn ich zufrieden bin und alles im Griff habe.