ADHS-Organisation elpos Schweiz

Willkommen im Club – spät, aber nicht zu spät.

Erfahrungsbericht einer Frau mit ADHS I Ilonka Haller

Mit 40 die Diagnose ADHS zu bekommen, war wie das Licht in einem Club anzuschalten: endlich verstand ich, warum mein Leben so chaotisch und gleichzeitig so lebendig war. ADHS ist kein Makel – es ist ein Paradoxon voller Herausforderungen und Stärken.

Als ich meine Diagnose erhielt, fühlte es sich zunächst wie eine riesige Erleichterung an. Plötzlich machte das Chaos in meinem Kopf Sinn: rasende Gedanken, innere Unruhe, Impulsivität, kreative Raketenstarts inklusive Abstürze. Je mehr ich über ADHS lernte, desto leichter fiel es mir, mich selbst zu akzeptieren. Ich erkannte, dass ich nicht «abnormal sensibel» bin, sondern dass meine Rejection Sensitivity Dysphoria (RSD) manchmal meint, völlig überzureagieren. Ein «Daumen hoch» auf WhatsApp kann so zur emotionalen Tragödie werden selbstverständlich unbemerkt für andere, dank perfektem Masking. Monate später kam die Frage: Was von mir ist ADHS – und was nicht? Wer bin ich ohne Maske, die ich so lange getragen habe?

Leben in einer Welt voller Paradoxa

Wie fühlt sich ADHS an? Stell dir vor, alles existiert gleichzeitig in zwei Welten: JETZT und NICHT JETZT. Dringende Aufgaben erledige ich hyperfokussiert wie ein Roboter, während wichtige, aber nicht dringende Aufgaben auf der Strecke bleiben. Ohne akute Deadline verschiebt sich alles in die ferne Zukunft – bis plötzlich aus «ich müsste» «Mist, jetzt ist es dringend» wird.

Stärken und Strategien

ADHS bedeutet nicht nur Herausforderungen. Es bringt Kreativität, Energie, Humor und einen starken Gerechtigkeitssinn mit sich. Und ja, es gibt Strategien, Hilfsmittel und Tricks, die wirklich funktionieren – ich habe sie getestet. All diese Erfahrungen, plus «10 Gründe warum jeder AHDSlerInnen im Leben haben sollte», habe ich in Wunderbares Chaos. ADHS-Paradoxa gepackt. Es soll Mut machen – besonders denen, die sich oft «zu viel», «zu emotional» oder «zu laut» fühlen – und dabei einfach sie selbst sein wollen.

Lachen erlaubt. Weinen auch. Kaffee empfohlen.

Ilonka Haller ist keine Psychologin aber Expertin im Chaos managen – denn sie lebt mit ADHS, mal mehr und mal weniger erfolgreich. Ihre Erfahrungen hat sie in einem Buch festgehalten, um allen ADHSlerInnen und deren Umfeld Mut zu machen diese Neurodivergenz nicht nur als Herausforderung zu sehen.