Gemeinsam unterwegs.

«Wenn ich Meditation, Sport und Schlaf vernachlässige, fehlt mir etwas.»

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Samuels Leidensdruck nach der Geburt des Sohnes stieg, die Familie stürzte in eine Krise. Durch Zufall kommt er bei der Therapie zur ADHS-Diagnose – die vieles erklärt.

Rückblickend, mit dem Wissen um die Diagnose, denke ich: kein Wunder, war der Leidensdruck so gross, denn alles unter einen Hut zu bekommen ist im Alltag sehr herausfordernd. Ich merke schnell, wenn ich bei für mich wichtigen Gewohnheiten nachlasse, bei Meditation, Sport, Schlaf, dann fehlt nicht nur die Präsenz, auch die Unruhe und die Gereiztheit steigen. Und die Versuchung ist gross, beim Schlaf zu sparen, um noch dieses und jenes unterzubringen. Das geht bei mir aber immer nach hinten los.

Ja, es gibt positive Seiten
Wenn mich etwas packt, bin ich ganz drin. Das Thema Eltern mit ADHS hat mich vor rund dreieinhalb Jahren so gepackt, dass es mich bis heute nicht mehr loslässt. Ich glaube nämlich wirklich, dass Eltern mit ADHS ein ruhiges, lebendiges und wertvolles Leben führen können. Nicht erst, wenn die Kinder gross sind, sondern jetzt. Ein Leben, in dem sie sich um sich selbst kümmern, ohne die Familie zu vernachlässigen. Ich sehe es bei unserer Familie: es ist nicht leicht, aber es ist möglich. Und es lohnt sich!


Was mir hilft
Ich bin pragmatisch geworden. Es gibt Gewohnheiten, die ich täglich mache: Stretching und Meditation, Workouts, den Tag planen. Da halte ich vor allem fest, was ich alles NICHT machen muss – das entlastet ungemein! Mir helfen auch ein kurzer Nachmittagsschlaf und Meditation am Abend. Ja, das klingt (auch) nach Gefängnis, das bin ich mir bewusst. Aber ich mache immer wieder dieselbe Erfahrung: lasse ich es weg, fühle ich mich viel gefangener. Ich sehe es pragmatisch, wie Zähneputzen oder Wasser trinken, es gehört für mich einfach zur mentalen Gesundheit und zu meinem Alltag dazu.
In der Therapie habe ich gelernt, Schwieriges neu einzuordnen: Chaos, Schmerz, Leidensdruck. Die eigenen Gedanken auf eine gesunde Art zu führen und die Perspektive wechseln zu können, hat viel verändert. Und lesen! Ich habe in den letzten sieben Jahren über 140 Bücher gelesen und weiss ehrlich nicht, wie ich ohne sie durch diese grosse Krise gekommen wäre. So viele kluge Menschen haben Zeit in ihre Bücher gesteckt, und ich durfte von ihnen lernen. Dafür bin ich enorm dankbar.
Was auch hilft: gesunde Dopamin-Quellen. Zum Beispiel ein Projekt, das man mit Interesse verfolgt und bei dem man seine Fortschritte sieht – das motiviert, dranzubleiben.

Das Wertvollste? Reden.
In den letzten drei Jahren habe ich rund 60 Gespräche mit anderen Müttern und Vätern geführt, die selbst ADHS haben. Diese Gespräche gehören zum Wertvollsten, was ich in dieser Zeit gemacht habe. Und was ich allen mitgeben möchte: es gibt Hilfe, und zwar in verschiedenen Formen. Egal wie verzwickt deine Situation gerade ist. Ich weiss, wenn man mittendrin ist, ist das sehr, sehr schwer zu glauben. Aber ein gutes Leben mit ADHS ist möglich, auch als Mutter oder Vater mit ADHS. Das ist kein Trostspruch und keine Motivationsfloskel. Ich glaube das wirklich, und es gibt viele Beispiele dafür auf der Welt. Und ich möchte dir mitgeben: du bist nicht die erste Person, die so etwas durchmacht, auch wenn es sich mittendrin genauso anfühlt. Schwieriges gehört zum Menschsein, überall auf der Welt, jeden Tag. Mich hat dieser Gedanke nicht kleiner gemacht, sondern entlastet: ich bin damit nicht allein. Und du auch nicht. Ich spreche übrigens weiterhin gerne mit Müttern und Vätern, die selbst ADHS haben. Wenn du dich in diesem Text erkennst, melde dich gerne bei mir: https://www.samlei.ch

Gemeinsam stark für Menschen mit ADHS

Als Non-Profit-Organisation begleiten wir Menschen mit ADHS und ihre Angehörigen mit Fachwissen, Erfahrung und Herz. Mit Ihrer Mitgliedschaft oder Spende tragen Sie dazu bei, dass unsere Angebote auch künftig bestehen und weiterentwickelt werden können. Jeder Beitrag zählt.

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