Eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung kann sich auf viele Bereiche des Lebens auswirken. Umso wichtiger ist eine fachliche Begleitung, die sorgfältig auf die persönliche Situation und Potenziale von Menschen mit ADHS abgestimmt ist. Besonders hilfreich wird eine Therapie, bei der verschiedene Ansätze miteinander kombiniert werden. Zentral ist eine Begleitung durch qualifizierte Fachpersonen, die Chancen der einzelnen Methoden erklären, Orientierung geben und gemeinsam mit Ihnen den richtigen Weg finden.
Die Behandlung der ADHS orientiert sich weltweit an einem Konzept, das verschiedene Ansätze miteinander verbindet. So kann die Unterstützung individuell auf die persönliche Situation und Ressourcen der Person mit ADHS abgestimmt werden. Die Begleitung konzentriert sich darauf, die Symptome zu regulieren, den Alltag zu erleichtern und die Lebensqualität der Person mit ADHS zu verbessern. Auch das Umfeld profitiert, wenn passende Strategien zur Verfügung stehen.
Welcher Ansatz in welcher Form sinnvoll ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Die Psychoedukation bildet die Grundlage der ADHS-Behandlung. Sie sollte allen Menschen mit ADHS zugänglich sein, damit sie ihr eigenes Erleben besser verstehen, Fähigkeiten gezielt nutzen und ihren Alltag kompetenter gestalten können.
Die Psychoedukation verfolgt mehrere Ziele:
Menschen mit ADHS und ihr Umfeld erhalten verständliche Informationen zu möglichen Ursachen, typischen Symptomen, alltäglichen Herausforderungen und zu unterstützenden Angeboten. Ergänzend ist es hilfreich, wenn auch Lehrer:innen, Arbeitgebende und weitere nahestehende Personen informiert sind, um das gegenseitige Verständnis im Alltag zu fördern.
Gut aufbereitete Informationen helfen dabei, gemeinsam mit der Fachperson passende Behandlungsschritte zu wählen und diese besser nachvollziehen zu können.
Neben den Herausforderungen rückt die Psychoedukation auch die persönlichen Ressourcen in den Mittelpunkt. Dazu können Kreativität, Spontanität, schnelles Denken, Problemlösefähigkeit oder sportliche Talente gehören.
Welche Therapie ist die richtige? Die Entscheidung orientiert sich am persönlichen Leidensdruck. Wo sind gegenwärtig die grössten Herausforderungen und «Ener-giefresser» auszumachen? Ebenso wichtig ist, dass die therapeutische Intervention zu den Lebensumständen des Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen mit ADHS passt.
Mögliche Therapieformen und ergänzende Massnahmen (nicht abschliessend):
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) beinhaltet dem Alter angepasste Übungen zu Organisation, Selbstmanagement, Impulskontrolle und Emotionsregulation.
Ein ADHS-Coaching kann besonders im Jugend- und Erwachsenenalter hilfreich sein, ebenso für Eltern von Kindern mit ADHS. Im Mittelpunkt stehen konkrete Alltagsthemen wie Struktur im Tagesablauf, das Planen von Aufgaben und der Umgang mit Ablenkbarkeit. Coaching ist praxisorientiert und unterstützt dabei, umsetzbare Strategien für Schule, Beruf oder Familienleben zu entwickeln. Es ersetzt jedoch keine psychotherapeutische Behandlung.
Gesprächsgruppen bieten einen sicheren Rahmen für Austausch, Verständnis und gegenseitige Unterstützung. Teilnehmende können ihre Erfahrungen teilen, neue Ideen für den Alltag kennenlernen und erhalten Hilfe zur Selbsthilfe. Dies stärkt das Gefühl von Verbundenheit und entlastet im Alltag. Gesprächsgruppen ergänzen therapeutische und medizinische Angebote, ersetzen sie jedoch nicht.
Regelmässige körperliche Aktivität kann Aufmerksamkeit, Stimmung und Impulskontrolle positiv beeinflussen. Bewegung führt zu ähnlichen neurobiologischen Effekten wie Stimulanzien (siehe unten), unter anderem durch eine erhöhte Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin. Sport stärkt zudem das Selbstwertgefühl, fördert soziale Fähigkeiten und wirkt stressreduzierend.
Ergotherapie unterstützt Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ADHS dabei, ihre Handlungsfähigkeit im Alltag zu stärken. Im Fokus stehen die Entwicklung von Selbstregulation, Handlungsplanung und motorischen Fertigkeiten. Dazu können feinmotorische Übungen, die Förderung eines bewussteren Umgangs mit dem „inneren Tempo“ sowie alltagsnahe Unterstützung bei der Strukturierung von Aufgaben beitragen.
Die medikamentöse Behandlung kann ein wirkungsvoller Bestandteil der ADHS-Therapie sein. Sie kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn die Symptome mittel bis stark ausgeprägt sind. Medikamente können die Kernsymptome deutlich verringern und erleichtern es, hilfreiche Strategien im Alltag langfristig in die Tat umzusetzen. Eine solche Behandlung darf nur von qualifizierten Fachpersonen begonnen und muss eng begleitet werden.
In der Schweiz stehen zwei Gruppen von ADHS-Medikamenten zur Verfügung:
Wirkstoffe: Methylphenidat (MPH), Lisdexamfetamin, Dexamfetamin
Wirkweise: Stimulanzien erhöhen die Verfügbarkeit der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Dies geschieht, indem die Wiederaufnahme gebremst und je nach Wirkstoff die Freisetzung unterstützt wird.
Einsatz: Sie gelten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen als wirksamste Erstlinienbehandlung, wenn keine relevanten Gründe dagegensprechen. Studien zeigen je nach Auswertung mittelgrosse bis grosse Effekte auf die Kernsymptome.
Wirkstoffe: Atomoxetin (ATX), Guanfacin
Wirkweise: Atomoxetin erhöht die Verfügbarkeit von Noradrenalin. Guanfacin unterstützt die Regulation von Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Emotionen.
Einsatz: Nicht-Stimulanzien kommen zum Einsatz, wenn Stimulanzien nicht ausreichend wirken, nicht gut vertragen werden oder bestimmte Begleiterkrankungen vorliegen. Welche Altersgruppen behandelt werden können, hängt von der Zulassung des jeweiligen Präparats ab.
Der Einsatz von ADHS-Medikamenten wird besonders bei Kindern und Jugendlichen oft emotional und intensiv diskutiert. Viele Eltern fühlen sich mit widersprüchlichen Informationen konfrontiert. Umso wichtiger ist eine fachgerechte und faktenbasierte Beratung. Qualifizierte Fachpersonen beurteilen die individuelle Situation sorgfältig, klären über Chancen und Risiken auf und begleiten die Behandlung eng, damit sie sicher und wirksam durchgeführt werden kann.
Nach aktuellem Forschungsstand ist die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung nicht heilbar. Daher ist das Ziel einer fachlichen Begleitung, den Umgang mit den Symptomen zu verbessern, die Funktionsfähigkeit im Alltag zu stärken und individuelle Stärken gezielt zu nutzen. Viele Menschen erleben mit einer gut abgestimmten Kombination aus verschiedenen Angeboten eine langfristige Verbesserung ihrer Lebensqualität und mehr Selbstbestimmung.
Nein. ADHS-Medikamente verändern die Persönlichkeit nicht. Sie wirken auf Aufmerksamkeitsregulation, Impulskontrolle und Aktivierungsniveau. Viele Menschen beschreiben unter der Behandlung ein Gefühl von mehr Klarheit, besserer Fokussierung oder innerer Ruhe.
Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören ein vermindertes Hungergefühl, Schwierigkeiten beim Einschlafen sowie Kopf- oder Bauchschmerzen. Wichtig sind regelmässige Kontrolltermine bei der verordnenden Fachperson, damit Wirkung und mögliche Nebenwirkungen zuverlässig überwacht und allenfalls Anpassungen gemacht werden können.
Nein. Bei fachgerechter und ärztlich überwachter Anwendung machen Stimulanzien nicht abhängig. In vielen Fällen zeigt sich sogar ein geringeres Risiko für einen problematischen Substanzkonsum, da sich Impulskontrolle und Selbststeuerung unter der Behandlung verbessern können. Wichtig ist die klare Unterscheidung zwischen therapeutischer Einnahme und missbräuchlicher Nutzung, denn Letztere hat mit einer medizinischen Behandlung nichts zu tun.
Die Dauer einer Behandlung ist von Person zu Person unterschiedlich. Entscheidend ist eine regelmässige Rückmeldung an die verordnende Fachperson, damit gemeinsam geprüft werden kann, ob das Medikament weiterhin sinnvoll ist oder ob sich andere Möglichkeiten anbieten.
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